Bildgeschichten: Strassenfotografie in Haifa

Strassenfotografie in Haifa

Auf dem Talpiot Markt


Mann und Stuhl. Das Bild eines Mannes mit markanter Silhouette hinter einem Stuhl entstand 2016 in Haifa, Israel. Ein paar Wochen war ich in Israel unterwegs. Tagsüber ging ich meiner normalen Arbeit nach. In den Randstunden jedoch war ich mit der Kamera auf Erkundungstour.

Haifa ist eine Welt für sich. In dieser Arbeiterstadt leben Juden und Araber Tür an Tür. Die Stadt schmiegt sich an den Ausläufern des Karmel-Gebirges und liegt direkt am Mittelmeer. Downtown ist dort, wo Bahnlinien und Strassen dicht zusammengedrängt auf den schmalen Küstenstreifen am Gebirge entlang schlängeln. Wer in die Stadt hinein will, der muss den Hang hinauf. Auf dem Talpiot Markt, einem offenen Markt, nur wenige Strassen gross, erledigen die Umwohnende ihre täglichen Einkäufe.

Haifa erinnerte mich an einem Buch von Theodor Herzl. 1902 erschien «Altneuland», ein utopischer Roman über einen jüdischen Staat. Zwei Weltkriege und einige Jahre später entstanden aus dem ehemaligen ottomanischen Reich fast alle heutige Staaten im Mitten Osten. Die Vereinigten Nationen sprechen auch den Juden einen eigenen Staat auf historischem Boden zu. Haifa entspricht heute am ehesten Herzls Idee. Hier wohnen Juden und Araber zusammen. Eine lebendige Stadt ist es, von vielen Kulturen geprägt und mit einem ganz eigenen Charme.

Auf dem Talpiot Markt wechselt die Sprache von Geschäft zu Geschäft. Arabisch hört man, am nächsten Stand wird Ivrith (hebräisch) gesprochen, und dazwischen rufen sich Verkäufer in russischer Sprache zu. In der Gegend sind soviele russische Juden, dass manche Geschäfte ausschliesslich auf eine russischsprachige Kundschaft bauen.

Ein kleines Restaurant (Talpiot | Streetview) wurde mir empfohlen. Nur ein paar einfache Tische und Stühle, eingequetscht zwischen anderen Ständen. Fabelhaft sollte der Fisch sein. Mehr Anreiz brauchte ich für das nächste Mittagessen nicht.

Die Sicht auf die Strasse faszinierte mich. Der Blick vom Mittagstisch aus, die Graffiti auf den Häusern und Geschäften an der anderen Seite, Marktbetrieb links und rechts, Autos und Fussgänger. Hier entstand ein erstes Bild, nur mit dem Stuhl. Gleich danach sah ich einen Mann mit Einkaufstaschen von rechts kommen. Bruchteile einer Sekunde später entstand das Bild mit dieser markanten Silhouette.

Und das Restaurant? Eine echte Empfehlung!


Bildgeschichten: Die betende Nonne

Die betende Nonne

Die Geschichten hinter den Bildern


Jedes Bild hat eine Geschichte. Gute Bilder faszinieren auch ohne grosse Erklärung. Das macht sie zu guten Bildern. Aber hinter der Aussage eines Bildes steht das Sujet, stehen Begegnungen und Erlebnisse, steht die Aufnahme, steht die Bildverarbeitung, steht die Interpretation. Alle diese zusammen machen am Schluss das Bild aus, das entsteht.

Das Bild der betenden Nonne

Dieses Bild entstand vor einigen Jahren in Paris. Ich war mit der Kamera unterwegs, hatte gerade zuvor ein Museum besucht und kam an einer kleinen Kirche vorbei. Ich wüsste heute nicht mehr genau wo es war. Neugierig lief ich rein. Die Kirche war nicht besonders gross, das Licht eher dämmrig. Und ich war nicht allein.

Eine ältere Nonne lief mitten durch die Kirche in Richtung des Altars. Dort kniete sie hin. Genau wo sie sich hinsetzte gab es einen Lichtstrahl durch einen Fenster. Es war ein magischer Moment fokussierter Versenkung. Ich habe ein paar Bilder gemacht.

Farbe oder schwarzweiss?

Das Licht in der Kirche war schlecht. Zwar gab es eine hervorragende Lichtstimmung, aber das Licht war insgesamt zu schwach. Die Fokussierung, welche ich wahrgenommen hatte war auf dem Foto nicht so stark. Oder mit anderen Worten: Ich hatte selbst eine viel intensivere Wahrnehmung gehabt als was das Foto wiedergab. Es gab ausserdem ein starkes Rauschen in den Farben und das Bild war unverarbeitet ganz unbrauchbar.

In der Bildverarbeitung nun wurde das Foto nach schwarzweiss umgewandelt und sorgfältig retuschiert. Damit kam die ursprüngliche intensive Versenkung der Nonne wieder besser zur Geltung. Eine Kontrastverstärkung hat die Fokussierung verbessert. So entstand Schritt um Schritt das Bild einer betenden Nonne.

Bildvergleich: Mit dem Schieberegler auf dem Bild links kann man ein vorher/nachher-Vergleich machen.

Bildinterpretation

Es gibt immer eine Bildinterpretation. Eine Interpretation von dem was man wahrnimmt, in dem Moment da man den Auslöser an der Kamera drückt. Dann aber auch die Interpretation am Bildschirm. Das Bildformat muss ausgewertet werden. Stimmt die Farbbalance? Muss ein Ausschnitt vom Bild gemacht werden? Braucht das Foto eine Optimierung? Muss es gerade gestellt werden? Diese und ähnliche Fragen beantwortete der Fotograf früher in der Dunkelkammer. Heute finden diese Überlegungen am Bildschirm statt.

Eine leistungsfähige Bildbearbeitung ist unerlässlich für die Verarbeitung von Fotos.

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